Permakultur klingt für viele erst einmal nach einem großen, wild gewachsenen Selbstversorgergarten: Kräuterspirale, Hügelbeet, Hühner, Obstbäume und irgendwo ein Teich. Dabei beginnt Permakultur viel einfacher und viel näher am Alltag. Sie beginnt mit einer Frage: Wie kann mein Garten so gestaltet sein, dass Pflanzen, Boden, Wasser und Tiere sich gegenseitig unterstützen, statt dass ich jede Woche alles einzeln reparieren muss?
Es geht nicht darum, den Garten sich selbst zu überlassen. Und auch nicht darum, jedes klassische Gartenelement durch etwas „Typisch Permakulturelles“ zu ersetzen. Permakultur ist eine Art zu planen. Wer sie praktisch nutzt, beobachtet zuerst den Ort, setzt Pflanzen an passende Stellen, hält Wasser und Nährstoffe möglichst im Garten und baut Schritt für Schritt dauerhafte Strukturen auf.
So entstehen mit den Jahren Beete, die weniger austrocknen, Pflanzen, die wiederkommen, und Ecken, in denen nicht jede abgefallene Blüte sofort Arbeit bedeutet. Ein normaler Reihenhausgarten kann davon genauso profitieren wie ein großer Nutzgarten.
Permakultur ist kein Baukasten: Eine Kräuterspirale, ein Hügelbeet oder ein Insektenhotel machen allein noch keinen Permakulturgarten. Entscheidend ist, ob ein Element zu deinem Standort, deinem Alltag und deinem Garten passt.
Was Permakultur im Garten wirklich bedeutet
Der Begriff entstand in den 1970er-Jahren aus „permanent agriculture“, also einer dauerhaften Landwirtschaft. Im heutigen Gartenalltag lässt sich das als dauerhaft tragfähige Gestaltung übersetzen. Statt nur auf eine einzelne Ernte oder ein schön aussehendes Beet zu schauen, betrachtet man die Beziehungen zwischen Boden, Wasser, Pflanzen, Tieren und Menschen.
Die drei bekannten ethischen Leitideen sind dabei erstaunlich alltagstauglich:
| Leitidee | Im Garten bedeutet das ganz konkret |
| Sorge für die Erde | Boden schützen, Wasser nicht verschwenden, Lebensräume schaffen und keine unnötigen Gifte einsetzen |
| Sorge für die Menschen | Den Garten so planen, dass er dir Nahrung, Ruhe, Freude und keine dauernde Überforderung bringt |
| Überschüsse teilen | Zu viel Saatgut, Pflanzen, Zucchini, Kompost oder Obst weitergeben statt verschwenden |
Ein Permakulturgarten darf ordentlich aussehen. Wege dürfen klar sein, ein Sitzplatz darf gepflegt bleiben und Gemüse darf in Reihen wachsen. Er wird nur anders gedacht: Ein Weg kann gleichzeitig Regen einsickern lassen. Ein Beerenstrauch kann Sichtschutz, Ernte und Vogelnahrung bieten. Ein Laubhaufen ist nicht nur „Gartenabfall“, sondern Winterquartier und künftiger Humus.
Der wichtigste erste Schritt: Genau hinschauen
Die verlockendste Idee ist oft: „Ich baue jetzt sofort ein Hügelbeet.“ Der klügere Start ist meist unspektakulärer. Nimm ein Blatt Papier, zeichne deinen Garten grob auf und beobachte ihn ein paar Wochen lang bewusst. Wo liegt morgens, mittags und abends Sonne? Wo pfeift Wind über die Terrasse? Welche Stelle bleibt nach Regen lange feucht, und welche trocknet nach zwei warmen Tagen aus?
Besonders wertvoll ist ein Spaziergang durch den Garten, wenn es regnet. Dann siehst du, wo Wasser in Rinnen verschwindet, an welchen Kanten es abläuft und wo sich kleine Pfützen bilden. Genau diese Beobachtungen entscheiden später darüber, ob eine Pflanzung entspannt wächst oder dauerhaft Arbeit macht.
Deine einfache Gartenkarte
Du brauchst keine perfekte Zeichnung. Markiere nur diese fünf Dinge:
- Sonne und Schatten: Zeichne drei Zeitpunkte ein: morgens, mittags und abends.
- Wasser: Notiere Fallrohre, feuchte Senken, trockene Ecken und Wege, über die Wasser abfließt.
- Boden: Sandiger Boden trocknet schneller; schwerer Boden hält Wasser, kann aber verdichten. Eine Bodenprobe schafft Klarheit, wenn Pflanzen immer wieder kümmerlich bleiben.
- Laufwege: Wo gehst du täglich vorbei? Was liegt so weit weg, dass du es oft vergisst?
- Bestehendes Leben: Alte Gehölze, wilde Ecken, Brennnesseln, Vogelbesuch und bereits erfolgreiche Pflanzen sind Hinweise auf das, was am Standort funktioniert.
Ein einfaches Bodenanalyse-Set kann für einen ersten Eindruck hilfreich sein. Es ersetzt keine Laboranalyse, aber es kann dabei unterstützen, extreme pH-Werte oder deutliche Unterschiede zwischen Gartenbereichen wahrzunehmen. Viel wichtiger als jede Zahl bleibt die Beobachtung: Steht Wasser lange? Rieselt die Erde durch die Finger? Gibt es viele Regenwürmer? Wie schnell trocknet die Oberfläche aus?
Zonierung: Das Prinzip, das im Alltag wirklich Zeit spart
In der klassischen Permakultur werden Bereiche danach geordnet, wie oft man sie besucht. Zone 1 liegt direkt am Haus und wird häufig versorgt. Weiter außen liegen Pflanzen und Strukturen, die kaum Eingriffe brauchen. In einem kleinen Garten musst du daraus kein kompliziertes Zonensystem machen. Die Übersetzung ist sehr einfach: Was du oft brauchst, kommt nah. Was selten Pflege braucht, darf weiter weg.
| Nähe zum Haus | Sinnvolle Beispiele | Warum das praktisch ist |
| Direkt an Terrasse oder Küchentür | Schnittlauch, Petersilie, Salat, Erdbeeren, Küchenkräuter, Wurmkomposter | Du siehst, erntest und gießt diese Dinge automatisch häufiger |
| Mittlere Gartenzone | Jahresgemüse, Kartoffeln, Beeren, Kompost, Regentonne | Regelmäßige, aber nicht tägliche Wege sind realistisch |
| Ruhiger Randbereich | Obstbäume, Beerenhecke, Wildblumeninsel, Totholzhaufen, Dauergemüse | Diese Bereiche dürfen länger in Ruhe bleiben |
Ein Kompostplatz hinter dem letzten Gartenwinkel ist deshalb nicht immer ideal. Wenn er so weit weg liegt, dass Küchen- und Gartenreste selten dort landen, funktioniert sein Kreislauf nur auf dem Papier. Ein kleiner, sauberer Komposter nahe am Nutzgarten oder ein Wurmkomposter für Küche und Balkon kann für kleine Haushalte die alltagstauglichere Lösung sein. Nicht jede Familie braucht eine große Wurmkiste, aber ein erreichbarer Ort für organisches Material macht Kreislaufdenken erstaunlich leicht.
Boden zuerst: Nicht die Pflanze füttern, sondern den Boden stärken
Ein lebendiger Boden ist im Permakulturgarten kein Nebenthema. Er ist die Grundlage dafür, dass Pflanzen Wasser besser nutzen, Wurzeln wachsen können und Nährstoffe nicht bei jedem Regen verschwinden. Ernten entziehen dem Garten Nährstoffe, und gerade Gemüsebeete brauchen je nach Kultur Nachschub. Kompost, Mulch und Pflanzenreste können den Boden langfristig stabiler machen.
Mulch: der einfache Waldtrick für den Hausgarten
Im Wald liegt der Boden selten kahl. Laub, abgestorbene Pflanzenteile und Zweige schützen ihn vor Sonne und Starkregen. Diesen Effekt kannst du nutzen: Eine passende Mulchschicht hält Feuchtigkeit, schützt die Bodenoberfläche, liefert Nahrung für Bodenorganismen und reduziert offene Flächen, auf denen sich unerwünschte Kräuter leicht ansiedeln.
Im Gemüsebeet funktionieren angetrockneter Rasenschnitt, Laub, Stroh oder gehäckselte Pflanzenreste gut. Unter Beerensträuchern sind Laub und Holzhäcksel hilfreich. Im Staudenbeet darf sich abgestorbenes Material oft locker zwischen den Pflanzen zersetzen.
Mulch ist aber kein Allheilmittel. Frischer Rasenschnitt in einer dicken, nassen Schicht kann faulen. Schnecken mögen feuchte Verstecke, weshalb du bei jungen, empfindlichen Salaten genauer hinschauen solltest. Und in einer mageren Wildblumenwiese wäre eine dauernde Mulchdecke sogar kontraproduktiv, weil sie den Boden nährstoffreicher macht.
Ein guter Start statt eines Großprojekts: Wähle ein Beet. Ziehe grobe Wurzelunkräuter heraus, gib eine dünne Schicht reifen Kompost darauf und bedecke freie Erde mit passendem organischem Material. Beobachte eine Saison lang, wie viel weniger du gießen und jäten musst.
No-Dig: Weniger umgraben, aber nicht gedankenlos alles abdecken
Viele Permakulturgärten arbeiten mit dem No-Dig-Prinzip: Der Boden wird nicht jedes Jahr tief umgegraben, sondern von oben mit Kompost und Mulch versorgt. Regenwürmer und Bodenlebewesen übernehmen einen Teil der Durchmischung. Das kann Struktur und Bodenleben schonen.
Für ein neues Beet auf Rasen ist eine Pappschicht ohne Klebeband und bedruckte Hochglanzflächen, darauf Kompost und organisches Material, eine praktische Möglichkeit. Wichtig ist Geduld: Dicke Grasnarben, problematische Wurzelunkräuter wie Giersch, Quecke oder Ackerwinde verschwinden nicht automatisch nach einer Saison. Dort kann es sinnvoll sein, zunächst gezielt und gründlich zu arbeiten, statt die Fläche einfach zu überdecken.
Wasser im Garten halten: erst Boden und Pflanzen, dann Technik
Permakultur bedeutet nicht, alles mit komplizierten Bewässerungssystemen auszurüsten. Die einfachsten Maßnahmen sind oft wirksamer: Boden bedecken, Pflanzen passend zum Standort wählen, organische Substanz aufbauen und Regenwasser sammeln. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Regenwasser für Gartenpflanzen zu nutzen und Niederschläge möglichst vor Ort versickern zu lassen.
Eine Regentonne ist für viele Gärten der sinnvollste Anfang. Stelle sie dort auf, wo Wasser vom Dach ohnehin anfällt und wo du es wirklich benötigst. Achte auf einen sicheren Stand, Überlauf und Frostschutz im Winter.
Für neue Hecken, junge Obstbäume und Gemüsebeete kann eine Tropfbewässerung Arbeit sparen. Sie ist besonders sinnvoll, wenn eine Pflanzung regelmäßig Wasser braucht und du nicht jeden Abend mit dem Schlauch durch den Garten gehen möchtest. Eingewachsene Trockenheitskünstler benötigen sie dagegen meist nicht.
Sind Mulden und „Swales“ immer sinnvoll?
Flache, bepflanzte Mulden können Regen abbremsen und langsam versickern lassen. In einem großen, leicht geneigten Garten ist das eine interessante Idee. Im kleinen Reihenhausgarten, direkt am Keller oder auf schwerem, ständig nassem Boden ist sie jedoch nicht automatisch die beste Wahl. Wasser sollte nie gezielt an Hausfundamente geleitet werden. Dort reichen oft eine Regentonne, entsiegelte Flächen, tiefer wurzelnde Pflanzen und eine gute Bodendecke völlig aus.
Vielfalt statt Zauberei: Wie Mischkultur wirklich hilft
Mischkultur wird oft so beschrieben, als könnten bestimmte Pflanzen ihre Nachbarn zuverlässig vor allen Krankheiten und Schädlingen schützen. So einfach ist es leider nicht. Gute Mischkultur ist keine magische Schädlingsabwehr. Sie bringt aber Vielfalt, nutzt Raum besser aus, schafft Blühangebote und verhindert große Flächen mit nur einer Pflanzenart. Das macht einen Garten oft robuster, ersetzt aber weder passende Abstände noch Fruchtfolge oder eine gute Bodenversorgung.
Diese Kombinationen sind als einfache, alltagstaugliche Versuche sinnvoll:
| Kombination | Was daran praktisch ist | Worauf du achten solltest |
| Tomaten + Salat | Salat nutzt den Platz, solange Tomaten noch klein sind; später spendet die Tomate leichten Schatten | Tomaten brauchen trotzdem Luft und genug Abstand, damit Laub schnell abtrocknet |
| Möhren + Zwiebeln | Unterschiedliche Wuchsformen, gute Platzausnutzung | Nicht zu dicht säen; Fruchtfolge bleibt wichtig |
| Bohnen + Mais + Kürbis | Kletter-, Höhen- und Bodenschicht werden kombiniert | Nur an sonnigem, nährstoffreichem Platz; der Kürbis braucht viel Raum |
| Kohl + Ringelblume + Kräuter | Blüten und Kräuter bereichern das Beet und bieten Insekten Nahrung | Keine Garantie gegen Kohlweißling; bei Bedarf Schutznetz verwenden |
| Erdbeeren + Schnittlauch + niedrige Blüten | Mehrjährige, essbare Pflanzung mit Bodenbedeckung | Erdbeeren regelmäßig verjüngen und Ausläufer steuern |
Der beste Mischkultur-Tipp ist daher: Setze nicht alles bunt durcheinander, sondern kombiniere bewusst. Eine dominante Pflanze braucht ihren Abstand, lichtarme Ecken brauchen passende Unterpflanzungen, und hungrige Kulturen brauchen Nahrung. Vielfalt funktioniert dann, wenn sich Pflanzen ergänzen. Nicht, wenn sie miteinander um Wasser, Licht und Wurzelraum kämpfen.
Mehrjährige Pflanzen: die ruhigen Anker im Garten
Einjährige Gemüse bleiben wertvoll. Tomaten, Bohnen, Möhren und Salat gehören für viele zum Gartenjahr. Aber mehrjährige Pflanzen geben dem Garten eine Struktur, die nicht jeden Frühling neu angelegt werden muss. Sie bilden Wurzeln, beschatten den Boden und liefern über Jahre Ernte oder Blüten.
Eine Saatgut-Auswahl für mehrjähriges Gemüse ist interessant, wenn du mit Etagenzwiebel, Schnittknoblauch oder mehrjährigem Lauch experimentieren möchtest. Noch einfacher ist es häufig, mit einer Pflanze aus dem Garten von Freunden zu starten: Rhabarber teilen, Schnittlauch abstechen oder einen Ableger von Erdbeeren setzen.
Kleine, dauerhafte Ernte-Gemeinschaften
Du brauchst keinen großen Waldgarten, um in Schichten zu denken. Schon eine kleine Obstbaum-Gemeinschaft kann diesen Ansatz zeigen. Unter einem jungen Apfelbaum, der genug Platz und Sonne hat, könnten beispielsweise Johannisbeeren am Rand wachsen, dazu Erdbeeren als lockerer Bodendecker, Schnittlauch, Salbei und einige Frühblüher. Jede Pflanze hat einen anderen Platz und eine andere Zeit im Jahr.
Dabei ist Zurückhaltung wichtiger als Vollpflanzung. Ein junger Obstbaum braucht in den ersten Jahren Wasser, Licht und einen freien Bereich am Stamm. Nicht jede Unterpflanzung ist sofort sinnvoll. Setze die Begleiter mit Abstand und beobachte, ob die Baumkrone später zu viel Schatten wirft. Ein Waldgarten ist keine Pflanze-an-jede-Lücke-Strategie, sondern eine langfristige, mehrschichtige Gestaltung.
| Schicht | Geeignete Beispiele für deutsche Gärten | Pflegehinweis |
| Kleine Baum- oder Spalierschicht | Apfel, Birne, Zwetschge, Felsenbirne, Hasel | Endgröße und Schatten vor dem Pflanzen bedenken |
| Strauchschicht | Johannisbeere, Stachelbeere, Jostabeere, Himbeere, Honigbeere | Alte Triebe je nach Art auslichten; nicht zu dicht setzen |
| Stauden und Kräuter | Rhabarber, Schnittlauch, Liebstöckel, Sauerampfer, Salbei, Oregano | Standort beachten; Liebstöckel wird groß |
| Bodendecker | Erdbeere, Waldmeister im Schatten, kriechender Thymian in Sonne | Ausläufer gelegentlich lenken |
| Wurzel- und Knollenschicht | Meerrettich, Topinambur, einige Allium-Arten | Ausbreitungsfreudige Arten begrenzen |
| Kletterschicht | Stangenbohnen, Wein, Kiwi in günstiger Lage, Hopfen | Stabile Rankhilfe und jährlicher Schnitt nötig |
Tieren Raum geben, ohne sie als Gartengerät zu betrachten
Permakultur arbeitet nicht „gegen“ Tiere. Insekten, Vögel, Regenwürmer, Asseln und Pilze gehören zu einem lebendigen Garten. Sie bestäuben, zersetzen Material, fressen teils Schädlinge oder werden selbst Teil eines Nahrungsnetzes. Eine wilde Ecke mit Laub, einer flachen Wasserstelle und heimischen Blühpflanzen kann mehr bewirken als ein dekoratives Insektenhotel ohne passende Nistplätze.
Ein Totholz- oder Reisighaufen in einer ruhigen Ecke ist ein sehr unkomplizierter Anfang. Er darf unordentlich aussehen, sollte aber nicht direkt an der Terrasse liegen, wenn dich die Optik stört. Auch eine kleine mehrjährige Regio-Wildblumenmischung kann eine wertvolle Ergänzung sein, vorausgesetzt, sie passt zum Boden. Eine Wiese auszusäen braucht Licht, ein mageres Saatbett und Geduld. Einfach Saatgut auf einen dichten Rasen zu streuen führt selten zum gewünschten Ergebnis.
Hühner oder Laufenten werden in Permakultur-Beiträgen gern als natürliche Helfer dargestellt. Sie können Gartenreste verwerten und Tiere fressen. Aber sie sind keine pflegefreie Schneckenlösung. Sie brauchen täglich Versorgung, sicheren Stall, rechtliche Beachtung, Zeit und Platz. Wer keine Tiere halten möchte, muss das auch nicht: Ein guter Garten funktioniert ohne sie.
Kräuterspirale, Hügelbeet, Waldgarten und Co.: Was passt wirklich?
Diese Elemente können wunderbar sein. Sie sind aber keine Checkliste, die jeder Garten erfüllen muss.
| Element | Sinnvoll, wenn … | Weniger sinnvoll, wenn … |
| Kräuterspirale | Sie sonnig und küchennah steht und du wirklich Kräuter mit unterschiedlichen Ansprüchen anbauen möchtest | Der Platz schattig ist, du kaum Kräuter nutzt oder ein einfaches Kräuterbeet besser erreichbar wäre |
| Hügelbeet | Viel unbelastetes Holz, Laub und organisches Material vorhanden sind und genügend Fläche verfügbar ist | Du wenig Platz hast, eine glatte pflegeleichte Fläche brauchst oder der Boden sehr trocken ist und du nicht zusätzlich wässern kannst |
| Waldgarten / Obstbaum-Gemeinschaft | Du über Jahre planen kannst, Platz für Gehölze hast und mehrjährige Ernten magst | Du in wenigen Jahren alles umgestalten möchtest oder der Garten schon sehr schattig ist |
| Totholz- oder Reisighaufen | Eine ruhige Ecke vorhanden ist und du Material im Garten halten möchtest | Das Holz krank, stark von problematischen Schädlingen befallen oder direkt an brennbaren Strukturen gelagert wird |
| Teich | Du langfristig Pflege, Kindersicherheit, Lage und Wasserqualität mitdenkst | Du nur ein „pflegefreies“ Dekoelement suchst – ein Teich braucht Aufmerksamkeit |
| Ollas | Einzelne Pflanzen in trockenen Beeten gezielt und leise bewässert werden sollen | Du sehr große Flächen bewässern möchtest; dann ist Tropfbewässerung oft praktischer |
Eine Kräuterspirale kann auf kleinem Raum unterschiedliche Feuchte- und Wärmezonen schaffen: unten eher frisch für Schnittlauch und Petersilie, oben trockener für Thymian, Salbei oder Oregano. Sie ist allerdings bauliche Arbeit. Ein sonniges, gemulchtes Kräuterbeet erfüllt für viele Haushalte denselben Zweck mit weniger Material.
Ein Hügelbeet hilft vor allem dann, wenn du ohnehin große Mengen Zweige und Holz sinnvoll verwenden möchtest. Es setzt sich in den ersten Jahren ab, braucht eine gute Deckschicht und kann bei Trockenheit mehr Wasser verlangen, als man erwartet. Wer nur ein kleines, entspanntes Gemüsebeet möchte, fährt mit einem ebenen Mulchbeet häufig leichter.
Unglasierte Ton-Ollas können eine schöne kleine Lösung für Tomaten, Zucchini oder neu gepflanzte Stauden sein. Ein Olla-Bewässerungsset ist dann sinnvoll, wenn du gezielt einzelne Pflanzen versorgen möchtest. Für die komplette Rasenfläche ist es natürlich keine Lösung.
Was Permakultur wirklich an Arbeit spart und was zunächst mehr Arbeit macht
Permakultur wird manchmal als „Garten ohne Arbeit“ verkauft. Das wäre unehrlich. Sie verlagert Arbeit: weg vom ständigen Reagieren, hin zum einmaligen Beobachten, Planen und klugen Aufbauen. In den ersten ein bis zwei Jahren musst du neue Pflanzen etablieren, Mulch beschaffen, Wege testen und beobachten, welche Arten sich zu stark ausbreiten. Danach können viele Bereiche deutlich ruhiger werden.
| Langfristig oft arbeitssparend | Am Anfang oder dauerhaft arbeitsintensiv |
| Mehrjährige Kräuter, Beeren und Stauden | Große Umgestaltung ohne Plan |
| Dichte Bodendecker und Mulch gegen offene Erde | Hügelbeet-Aufbau mit viel Material |
| Regenwasser am passenden Ort | Teichpflege und Technik, wenn falsch geplant |
| Küchennaher Kräuter- und Salatbereich | Tiere halten, nur um „natürlich“ zu sein |
| Obst- und Beerensträucher mit passender Endgröße | Ausbreitungsfreudige Pflanzen ohne Begrenzung |
| Kompost und Nutzung von Gartenresten | Jede Saison komplett neue Beetformen ausprobieren |
Die verbreitete Vorstellung, man müsse einfach „alles wachsen lassen“, greift ebenfalls zu kurz. Ein Naturgarten braucht gelegentlich Entscheidungen: dominante Pflanzen begrenzen, kranke Pflanzenreste entfernen, junge Bäume gießen, Wege frei halten und dort eingreifen, wo eine Pflanze andere verdrängt. Der Unterschied ist: Du arbeitest nicht gegen jedes Zeichen von Leben, sondern gezielt für eine stabile Vielfalt.
Deine ersten sieben Permakultur-Schritte ohne das Grundstück umzubauen
- Beobachte eine Gartenecke: Notiere Sonne, Wasser und Wind.
- Bedecke freien Boden: Beginne mit einem kleinen Beet, nicht mit dem ganzen Garten.
- Stelle eine Regentonne auf: Dort, wo du das Wasser später auch nutzt.
- Pflanze eine mehrjährige Ernte: Zum Beispiel Schnittlauch, Rhabarber, Erdbeeren oder eine Johannisbeere.
- Lass eine kleine wilde Zone zu: Ein Laubhaufen oder ein Saum aus heimischen Blüten reicht als Anfang.
- Setze eine Pflanzgemeinschaft: Etwa Tomate und Salat oder Erdbeere mit Schnittlauch und niedrigen Blüten.
- Halte eine Saison inne: Was wächst zuverlässig? Was vertrocknet? Was macht dir Freude? Daraus entsteht der nächste Schritt.
Fazit: Permakultur ist weniger Projekt als Blickwechsel
Ein Garten mit der Natur statt gegen sie funktioniert nicht, weil er besonders wild aussieht. Er funktioniert, wenn seine Elemente sinnvoll verbunden sind: Das Laub schützt den Boden, der Kompost ernährt das Beet, die Regentonne versorgt junge Pflanzen, Kräuter stehen dort, wo du sie wirklich erntest, und eine wilde Ecke darf Leben aufnehmen.
Du musst dafür nicht alles auf einmal ändern. Vielleicht wird dein erster Permakultur-Schritt nur eine Mulchschicht unter den Johannisbeeren sein. Vielleicht stellst du ein Regenfass auf oder lässt eine Ecke mit Totholz und Wildblumen entstehen. Mit jedem solchen Schritt wird der Garten ein wenig weniger abhängig von ständigem Gießen, Jäten, Düngen und Neuplanen und ein wenig mehr zu einem Ort, der mit dir arbeitet.
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