Draußen klopft der Regen ans Fenster, die Jacken bleiben an der Garderobe und nach einer Weile kommt fast unvermeidlich der Satz: „Mir ist langweilig.“
Bevor wir dann nach einer neuen Beschäftigung suchen oder gleich den Bildschirm einschalten, lohnt sich ein Blick in die Wohnung. Ein Karton, ein paar Socken, Papier, Decken oder eine Taschenlampe können schon reichen.
Hier kommen fünf Ideen, die mit typischen Haushaltsgegenständen funktionieren:
1. Aus einem Karton wird ein Bus mit eigenen Haltestellen
Ein großer Karton hat einen Vorteil: Er weiß noch nicht, was er sein will. Genau deshalb wird er so leicht zu einem Bus, einem Lieferwagen, einer Rakete oder einer fahrenden Tierarztpraxis.
Das braucht ihr
Einen möglichst großen leeren Karton, Papier, Stifte, etwas Klebeband und, falls vorhanden, ein paar Kissen oder ein altes Handtuch für den Innenraum. Für das Schneiden von Türen oder Fenstern hilft eine erwachsene Person.
So startet ihr
Stellt den Karton auf die Seite und malt gemeinsam eine Tür, Fenster und vielleicht zwei Räder darauf. Dann braucht der Bus nur noch ein Ziel. Fährt er zum Meer? Zum Mond? Zur Oma? Zum geheimen Waldrestaurant?
Aus Papier entstehen Fahrkarten. Ein Kochlöffel wird zum Lenkrad. Ein Kuscheltier wartet an der Haltestelle. Und plötzlich reicht der Karton nicht mehr nur für eine Idee, sondern für eine ganze Reise mit Fahrplan, Pausen und neuen Mitfahrern.
Wenn das Spiel weitergehen soll
Legt drei Zettel in der Wohnung aus: „Haltestelle Regenbogen“, „Haltestelle Bäckerei“ und „Endstation Höhle“. Bei jeder Station passiert etwas Neues. Vielleicht muss ein Fahrgast ein Lied singen, ein Paket ausliefern oder ein Kissen als Berg überqueren.
Kleiner Sicherheitsblick: Schneiden, starke Klebebänder oder sehr große Kartons übernimmt oder begleitet eine erwachsene Person. Der Karton bleibt am besten auf dem Boden und wird nicht als Kletterturm benutzt.
2. Socken-Bowling: Die Wäsche wird zur Sporthalle
Für dieses Spiel braucht es weder Kugel noch Bahn. Zusammengerollte Socken fliegen weich, rollen überraschend gut und machen nichts kaputt, wenn sie einmal daneben gehen.
Das braucht ihr
Sechs bis zehn zusammengerollte Sockenpaare, sechs leere Plastikflaschen oder leichte Pappbecher, einen freien Stück Boden und bei Lust Papier für eine Punktekarte. Bitte keine Glasflaschen verwenden.
So startet ihr
Stellt die Becher oder Flaschen am Ende des Flurs, im Wohnzimmer oder auf einem Teppich auf. Von einer Linie aus wird gerollt oder geworfen. Jede umgefallene Flasche bringt einen Punkt.
Nach der ersten Runde dürfen die Regeln verrückt werden. Einmal rückwärts werfen. Einmal im Sitzen. Einmal mit geschlossenen Augen und einem Ansager. Oder: Wer zwei Treffer schafft, darf eine neue Regel erfinden.
Wenn das Spiel weitergehen soll
Gebt den Flaschen Namen oder kleine Aufgaben. Fällt die „Tanzflasche“, müssen alle einmal tanzen. Fällt die „Monsterflasche“, darf ein Monstergeräusch gemacht werden. So wird aus einem einfachen Wurfspiel schnell eine eigene kleine Turniershow.
Aufräum-Tipp: Die Socken landen anschließend direkt wieder in einem Wäschekorb. Das ist vermutlich die schnellste Aufräumrunde des Tages.
3. Ein Klebeband-Labyrinth quer durchs Wohnzimmer
Ein bisschen leicht ablösbares Klebeband auf dem Boden kann aus dem Wohnzimmer eine Inselwelt, eine Rennstrecke oder einen geheimen Weg machen. Die Aufgabe lautet nicht „schön aussehen“, sondern: Wie kommen wir von A nach B, ohne den Boden zu berühren?
Das braucht ihr
Malerkrepp oder leicht ablösbares Klebeband, einen geeigneten glatten Boden und ein oder zwei kleine Zettel. Vorher kurz an einer unauffälligen Stelle testen, ob das Band sich gut wieder ablösen lässt.
So startet ihr
Klebt einen geschwungenen Weg auf den Boden. Dazu kommen kleine Inseln aus Quadratflächen, ein Tunnel zwischen zwei Stühlen oder ein „See“, den man nur mit großen Schritten überqueren darf.
Schreibt auf zwei Zettel „Start“ und „Ziel“. Dann kann es losgehen: balancieren, hüpfen, schleichen, rückwärts gehen oder ein Kuscheltier sicher zur anderen Seite bringen.
Wenn das Spiel weitergehen soll
Die Kinder dürfen neue Aufgaben in den Parcours einbauen. Vielleicht wird aus der Strecke eine Baustelle, ein Flughafen oder eine Expedition durch einen Dschungel. Ein Papierpfeil zeigt den Weg zur nächsten Aufgabe.
Kleiner Sicherheitsblick: Das Labyrinth nicht vor Treppen, Türen oder auf rutschigen Teppichkanten kleben. Socken mit rutschiger Sohle besser ausziehen oder auf festen Hausschuhen spielen.
4. Schattenkino: Eine Taschenlampe und eine Wand reichen
Wenn es draußen früh dunkel oder richtig grau wird, ist Schattenkino besonders schön. Es braucht keine fertigen Figuren und keine Bühne. Eine Taschenlampe, eine helle Wand oder ein weißes Laken und ein paar Hände machen den Anfang.
Das braucht ihr
Eine Taschenlampe oder ein anderes kleines LED-Licht, eine helle Wand oder ein weißes Bettlaken, Papier, Stifte und bei Bedarf Klebeband. Für Figuren können Papierstücke auf einen Holzlöffel oder ein Stück Pappe geklebt werden.
So startet ihr
Dunkelt den Raum ein wenig ab und richtet die Taschenlampe auf das Laken oder die Wand. Zuerst darf ausprobiert werden: Wie groß wird eine Hand, wenn sie näher ans Licht kommt? Welches Tier entsteht aus zwei Fingern? Wie sieht ein Löffel als Riese aus?
Danach beginnt die Geschichte. Vielleicht sucht ein kleiner Drache seinen Regenschirm. Vielleicht steigt eine Katze in den Karton-Bus und fährt zu einem Berg aus Kissen. Es gibt kein richtiges Drehbuch.
Wenn das Spiel weitergehen soll
Aus Papier entstehen schnell ein Held, ein Monster, ein Haus oder ein Baum. Für ältere Kinder kann jemand hinter der Bühne erzählen, während jemand anderes die Figuren bewegt. Das tollste Ende ist oft ein offenes: „Und dann hörten sie plötzlich …“
Kleiner Sicherheitsblick: Licht nicht direkt in die Augen leuchten. LED-Taschenlampen bleiben angenehm kühl; Kerzen gehören nicht ins Schattenkino mit Stoff und Papier.
5. Das Deckenrestaurant mit Speisekarte und Lieferdienst
Eine Decke auf dem Boden, ein paar Kissen und ein Tisch oder Karton genügen, um ein Café, eine Pizzeria, eine Eisdiele oder einen Lieferdienst zu eröffnen. Der Regen bleibt draußen, drinnen wird bestellt, gekocht und freundlich serviert.
Das braucht ihr
Eine Decke, Kissen, ein paar saubere leere Dosen oder Schachteln, Kochlöffel, Papier, Stifte und vielleicht Spielgeschirr oder ungefährliche Löffel. Echte Lebensmittel sind nicht nötig.
So startet ihr
Sucht einen Platz für das Restaurant aus. Ein Papier wird zur Speisekarte. Zapfen, Socken oder Bausteine können das Essen sein. Ein Karton wird zur Kasse, eine Tasche zum Lieferkorb.
Die erste Frage ist die wichtigste: Wie heißt euer Restaurant? Danach entstehen meistens ganz von allein Preise, Spezialgerichte, Gäste und besondere Regeln. Im „Regenbogen-Café“ darf man vielleicht nur mit einem Lied bezahlen. In der „Wolken-Pizzeria“ gibt es runde Kissenpizza.
Wenn das Spiel weitergehen soll
Ein Familienmitglied darf anrufen und etwas bestellen. Die Lieferung muss durch das Klebeband-Labyrinth. Oder der Karton-Bus bringt die Gäste zum Restaurant. Die fünf Ideen dürfen sich ruhig miteinander verbinden.
Kleiner Sicherheitsblick: Nur saubere, ungefährliche Haushaltsgegenstände verwenden. Heiße Getränke, echte Messer und schwere Dosen bleiben außerhalb des Spiels.
Das Wichtigste: Nicht alles fertig vorbereiten
Diese fünf Ideen funktionieren am besten, wenn sie keine perfekte Kulisse brauchen. Ein Karton darf schief sein. Die Punktekarte darf krumm werden. Die Schattenfigur darf eher wie ein Kartoffelmonster aussehen als wie ein Drache.
Du musst nicht fünf Stationen aufbauen und auch nicht bis zum Abend Programm machen. Meist reicht eine Einladung: „Aus dem Karton könnte heute ein Bus werden.“ Oder: „Ich glaube, die Socken können kegeln.“
Was danach entsteht, dürfen die Kinder entscheiden. Und wenn das Spiel nach zehn Minuten vorbei ist, ist das genauso in Ordnung. Vielleicht wird aus der Idee später am Tag noch einmal etwas ganz anderes.
